Top Ten ja, Top Drei nein

Sandra Dinkeldein steigerte ihre persönliche Bestzeit über 60 Meter © Holger Seibke
Leichtathletik
Montag, 24.02.2020 / 08:00 Uhr

Olaf Dorow (Weser Kurier vom 24.02.2020 / Seite 23, Sport)

Bestzeit für Dinkeldein, Bestzeit für Linne – doch nur einer von beiden ist zufrieden

Hinterher hatte Werder-Sprinter Fabian Linne zwei Fachgespräche. Eines mit dem Bundestrainer, eines mit seinem Heimtrainer. Der Bundestrainer, so erzählte es der Heimtrainer Andriy Wornat, habe das 19 Jahre junge Sprint-Talent aus Bremen getröstet. Das Talent war geknickt, es hatte in seinem als Halbfinale deklarierten fünften Vorlauf der Deutschen Hallen-Meisterschaften über 200 Meter nicht gewonnen. Es war Hallen-Bestzeit
gerannt, 21,32 Sekunden. Aber es hatte schneller sein wollen. Vor allem: Es wollte ins Finale. Das klappte nicht. Linne hatte den vor ihm laufenden Frieder Scheuschner aus Dresden flugs eingeholt. Doch aus der zweiten, der Zielkurve der Leipziger Bahn, kam Scheuschner schwungvoller heraus. „Und mir wurden die Beine schwer“, gestand Linne. Scheuschner überholte ihn – und qualifizierte sich mit 21,17 Sekunden für das Finale. Linne wurde Zweiter, er hatte die achtschnellste Zeit der 30 Starter geschafft. Das reichte nicht fürs Finale der besten sechs. Der Bundestrainer soll
dann gesagt haben, dass Bahn fünf auf der schnellen Leipziger Hallenrunde spezielle Erfahrungen erfordere. Man müsse quasi wissen, wie aus der Zielkurve herauszuflitzen sei. Wusste Linne nicht so. Er war enttäuscht. Er hatte auf eine Finalteilnahme und eventuell eine Medaille spekuliert.

Dass bei 30 Startern nur sechs in den Endlauf dürfen und es nicht wie in den Vorjahren zwei Zeit-Endläufe gab, fand Werders Sportwart Andrei Fabrizius, sagen wir mal vorsichtig: semioptimal. Linne wurde so eine zweite Chance genommen. 21,15 Sekunden hätten dann im Finale zu Bronze gereicht, die Trainer und der Athlet selbst sagen: Das hätte er drauf gehabt. Scheuschner schaffte (auf der allerdings unvorteilhaften Bahn 2) nur noch 21,67 Sekunden und wurde Fünfter. Im Gespräch mit seinem Werder-Trainer Andriy Wornat bekam Fabian Linne ein zweites Mal tröstende Wort zu hören. „Wenn du immer so enttäuscht bist, nachdem du Bestzeit gelaufen bist, dann ist das ein gutes Zeichen“, habe er zu seinem Renner gesagt, sagte Wornat. Das Team Wornat/Linne wird demnächst die Vorbereitung auf die Freiluft-Saison beginnen, mit einem Trainingslager im April in Kienbaum als Schwerpunkt. Der Athleten-Frust über die unvollendete Hallen-Saison wird wohl bald verflogen sein.

„Grundsätzlich“, sagte Fabrizius, „kann man aber sagen: Wir haben in Leipzig sensationell abgeschnitten.“ Für die kleine Werder-Delegation kam, als sich am Wochenende in der sächsischen Metropole die deutsche Elite zu den Meisterschaftswettbewerben traf, immerhin dreimal ein Platz unter den Top Ten heraus. Ein sechster, ein siebter sowie ein achter Platz.

Für die Ränge sechs beziehungsweise sieben in den üppigen Teilnehmerfeldern sorgte die 26-jährige Sandra Dinkeldein. Schon lange hatte sie gehofft, auch über 60 Meter mal den Endlauf einer nationalen Meisterschaft zu erreichen. Diesmal gelang es. Die Wirtschafts- und Rechststudentin an der Uni Oldenburg, die vor sieben Jahren vom Bodensee hoch in den Norden zog, verbesserte in Leipzig ihre vier Jahre alte Bestzeit von 7,44 Sekunden gleich zweimal an einem Tag. Im Halbfinale ließ sie sich nur 7,40 Sekunden Zeit. Das reichte, um sich fürs Finale zu qualifizieren. Dort steigerte sie sich erneut. Mit 7,38 Sekunden war sie als Sechste sogar genauso schnell wie die Fünfte. Fast genauso schnell, um exakt zu bleiben. Die Zielfoto-Auswertung ergab schließlich, dass Sandra Dinkeldein um eine Tausendstelsekunde später über den Zielstrich geschossen war.

„Ich war ganz schön überrascht“, sagte sie anschließend. Sie habe zwar in den letzten Trainingswochen gespürt, dass die gewünschte Schnellligkeit in den Beinen steckte. Aber die letzten 60-Meter-Wettkämpfe seien unbefriedigend verlaufen. Über 200 Meter verpasste sie dann das Finale nur knapp. Mit 24,22 Sekunden hatte sie die siebtschnellste Zeit in den Vorläufen hingelegt, sie war damit die beste der Läuferinnen, die das Finale der besten sechs verpassten. Auch hier gab es trotz des großen Starterfeldes keine zwei Zeit-Endläufe, sehr zum Unverständnis von Andrei Fabrizius, dessen Trainingsgruppe Sandra Dinkeldein angehört.

Neu Werderaner Rene Rumpf, der erstmals bei den Deutschen Meisterschaften der "Großen" dabei war, präsentierte sich über 200 Meter ebenfalls stark und lief auf der ungünstigen Bahn 2 nach einer Zeit von 22,04 sec über die Ziellinie.  

 
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