Für mehr Sicherheit: Stadion statt Kanzlei

Menschen bei Werder, Teil 3

Kirsten König ist Sicherheitsbeauftragte des SV Werder Bremen (Foto: Heidmann).
Menschen bei Werder
Montag, 12.04.2021 / 17:25 Uhr

Von Martin Lange

Kirsten König ist unter den Sicherheitsbeauftragten der Fußball-Bundesliga eine von nur zwei Frauen. Die studierte Juristin und ehemalige Hockey-Bundesliga-Spielerin arbeitet seit Februar 2011 beim SV Werder und war zunächst in verschiedenen anderen Positionen tätig.

„Früher war es mein Traum, mal am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu arbeiten – oder am Bundesverfassungsgericht“, lacht Kirsten König. Doch statt in Straßburg oder Karlsruhe lebt sie mittlerweile seit Beginn ihres Jura-Studiums im Jahr 2003 in Bremen und ist damit nach eigenem Bekunden sehr glücklich. Auch wenn ihre berufliche Karriere bisher ganz anders verlief als geplant. Oder gerade deswegen? „Bei Werder fühle ich mich sehr wohl“, erklärt König. „Und für mich als frühere Leistungssportlerin ist eine Aufgabe im Sport einfach sehr reizvoll, auch weil man mit den Kolleginnen und Kollegen schnell eine gemeinsame Ebene findet.“

Kirsten König wurde 1982 in Köln geboren, stand dort als Kind zum ersten Mal staunend an einem Hockeyplatz, war sofort fasziniert und begann wenig später beim RTHC Leverkusen mit dem „dynamischen und intelligenten“ Sport, der bis heute eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielt. Bei dem von der Bayer AG geförderten Club „bin ich von Beginn an mit einer Leistungssport-Mentalität groß geworden“, erzählt sie. „Es gab eine sehr gezielte, sehr gute Förderung, kombiniert mit ganz viel Spaß.“ Dazu kommt: Unter dem Dach von Bayer Leverkusen trafen sich – und treffen sich noch heute – Spitzensportler zahlreicher Sportarten auf einem gemeinsamen Trainingsgelände. „Wenn auf der Leichtathletik-Anlage nebenan Weltmeister trainieren oder einem als Kind eine Sportlerin, die man kurz zuvor bei Olympia gesehen hat, ‚Hallo‘ sagt, dann motiviert das enorm. Diese Begegnungen haben mich sehr geprägt“, verrät König. Und so schaffte sie es beim RTHC Leverkusen bis in die Hockey-Bundesliga.

Die Bremer "direkt als Herzensmenschen wahrgenommen"

Im Alter von 20 Jahren zog Kirsten König nach Bremen, um ihr Jura-Studium zu beginnen. Und hatte zunächst Pläne, nach einem Semester den Studienort wieder zu wechseln und an die Uni Köln zu gehen, um dann auch wieder bei ihrem ehemaligen Club zu spielen. Doch dazu kam es nicht. Die Neu-Bremerin wurde sofort an der Weser heimisch, „weil ich die Menschen hier, so nordisch sie sind und so sehr ich mich erst daran gewöhnen musste, direkt als Herzensmenschen wahrgenommen habe“. Kirsten König spielte kurze Zeit in Hamburg, dann beim Bremer HC in der Regionalliga, dann in Köln und schließlich beim Club zur Vahr, davon viele Jahre in der 2. Bundesliga.

Beruflich zog es sie zunächst jedoch nicht in den geliebten Sport. „Mich hat schon immer fasziniert, dass wir das Grundgesetz haben und wieso das so ist, warum es sich entwickelt hat. Außerdem finde unsere Demokratie sehr besonders“, begründet sie ihre damalige Entscheidung für die Rechtswissenschaften. Gegen Ende des Studiums verstärkte sich der Wunsch, als Strafverteidigerin zu arbeiten: „Mich hat interessiert: Was ist Schuld? Warum hat jemand etwas getan? Wann ist jemand wirklich schuldig, nicht nur im Sinne des Strafgesetzes. Viele rechts-philosophische Fragen also.“ Und tatsächlich stieg Kirsten König direkt nach dem Studium in einer Bremer Kanzlei ein – direkt am Osterdeich, in Sichtweite des wohninvest WESERSTADION.

Doch nach kurzer Zeit hörte sie durch ihre Freundschaft zu Werders heutiger CSR-Direktorin Anne-Kathrin Laufmann, dass es auf der anderen Seite der Straße, beim SV Werder, eine freie Stelle zu besetzen gab. Feuer und Flamme war sie nicht, aber eine Überlegung schien es ihr Wert zu sein. Es galt, verschiedene Aspekte abzuwägen. Einerseits: „Statt selbstständig zu sein, konnte ich bei Werder ‚sicheres‘ Geld verdienen.“ Andererseits: „Die Stellenbeschreibung entsprach nicht unbedingt meinen Vorstellungen.“ Zunächst zumindest nicht, denn nach und nach wurde die Stelle um weitere Aufgaben ergänzt, um sie zu überzeugen. Und das gelang: Kirsten König begann ihre Karriere bei den Grün-Weißen als Assistentin im WERDER Leistungszentrum, kümmerte sich um Vertrags- und Transferangelegenheiten für die Spieler von der U23 bis zur U17 und führte diese Aufgabe für die U23 weiter fort, als diese Mannschaft organisatorisch vor einigen Jahren Geschäftsführer Frank Baumann zugeordnet wurde.

"Das war eine Menge Arbeit, eine große Herausforderung.“
Kirsten König

Im Jahr 2015 unterstützte Kirsten König zu ihrer damaligen Aufgabe erstmals auch Werders Veranstaltungsleiter Lars Mühlbradt bei rechtlichen Fragen zur Organisation der Bundesliga-Heimspiele und wurde in der Folgezeit immer stärker in diesen Bereich mit einbezogen – aufgrund ihrer fachlichen Expertise durch die juristische Ausbildung und „weil mich die Organisation von Großveranstaltungen schon immer interessierte“. Kirsten Königs Wert in diesem Bereich wurde schnell deutlich. Und so absolvierte sie das zweijährige Studium zum „Zertifizierten Sicherheitsmanager im Fußball“, das der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball-Liga in Kooperation mit der SRH-Hochschule Heidelberg durchführen.

Nach erfolgreichem Abschluss dieses Studiums wechselte sie 2019 vollständig in den Bereich Sicherheit, nachdem sie zuvor mehrere Jahre parallel auch ihre vorherige Aufgabe unter der Leitung von Frank Baumann wahrgenommen hatte. Mittlerweile ist Kirsten König offiziell „Fachliche Leitung für den Bereich Sicherheit“ des SV Werder Bremen unter Geschäftsführer Dr. Hubertus Hess-Grunewald und leitet die Mitarbeiter in diesem Bereich.

Dabei veränderte die Corona-Pandemie ihre Arbeit nahezu komplett. Ging es vorher darum, für Heimspieltage mit 42.000 Zuschauern im wohninvest WESERSTADION alle beteiligten Gewerke in internen und externen Organisations-Runden zusammenzuführen und zu koordinieren, damit die Veranstaltung sicher und reibungslos abläuft, so gab es zu Beginn des Jahres 2020 ganz neue Herausforderungen: „Wir hatten zunächst ein paar Spiele in einer Zeit, als das Corona-Virus schon präsent war. Damals hat aber niemand damit gerechnet, dass es solch einen enormen Einfluss auf den Profifußball oder grundsätzlich auf Großveranstaltungen haben würde“, erinnert sie sich. Dann ruhte der Bundesliga-Spielbetrieb bekanntlich für einige Zeit, ehe schließlich die DFL die Clubs mit einem Konzept für den Re-Start konfrontierte. „Das mussten wir in kurzer Zeit zunächst verstehen, dann für unsere Bedürfnisse und die örtlichen Begebenheiten umsetzen“, erklärt König. Und auch wenn sie mittlerweile gelassen darauf zurückblicken kann: „Wir hatten damals direkt ein Heimspiel, konnten also nicht vorher bei anderen gucken, wie zum Beispiel Hygieneschleusen aussehen. Ob es richtig ist, wenn wir dort fünf Spender zur Desinfektion aufstellen. Oder was der Gesundheits-Fragebogen für alle, die ins Stadion müssen, beinhalten sollte. Das war eine Menge Arbeit, eine große Herausforderung.“

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Der SV Werder meisterte diese Herausforderung, auch als später zum Teil wieder Fans zugelassen werden sollten. Und die Abteilung Sicherheit um Kirsten König hatte einen großen Anteil daran, dass vor einiger Zeit der DFB anfragte, ob er Teile des Werder-Hygienekonzepts für die Spiele der EM im Sommer verwenden dürfe. „Wir haben bei der Entwicklung unseres Konzepts sehr zuschauerorientiert gearbeitet“, begründet Kirsten König das externe Interesse und das große Lob, das die Grün-Weißen allseits bekamen. „Für uns war klar: Unsere Verantwortung fängt nicht erst am Stadiontor an, sondern bei den Fans zu Hause. Wenn sie dort ihr Ticket ausdrucken, sollten sie dazu sofort eine Anleitung haben, um zu wissen, wie das Infektionsrisiko bei einem Stadionbesuch möglichst kleingehalten werden kann, inklusive An- und Abreise.“

Hinter Kirsten König liegen spannende und arbeitsreiche Monate. Und sie verhehlt nicht, dass diese Zeit sie auch mal nachdenklich gestimmt hat: „Meine drei Kinder mussten zu Hause bleiben, durfte nicht in die Schule. Und ich habe bis abends im Stadion gesessen und daran gearbeitet, dass der Profifußball wieder losgeht“, sagt sie. „Aber natürlich war es für den Club enorm wichtig, dass wieder Fußball gespielt wurde, während die Welt draußen praktisch stillstand.“

Auch der Hockeysport spielt noch immer eine wichtige Rolle im Leben von Kirsten König. Ihre drei Töchter – 15, zwölf und fünf Jahre alt – eifern der Mutter nach, sind praktisch schon „auf dem Hockeyplatz groß geworden“. Und die 38-Jährige sagt voller Bescheidenheit, aber auch mit Stolz: „Ich glaube, sie haben Talent.“ Ihre eigene Hockeykarriere endete erst vor anderthalb Jahren. Kirsten König schmunzelt beim Gedanken daran und sagt: „Meine große Tochter hätte damals mit mir in einer Mannschaft gespielt. Das war der richtige Moment, um zu sagen: ‚Jetzt reicht es für mich‘.“ Und auch der Kreis in die alte Heimat hat sich in gewisser Weise für Kirsten König wieder geschlossen. Ihr Lebensgefährte Tim Steidten, ehemals in Diensten des SV Werder, arbeitet mittlerweile bekanntlich bei Bayer 04 Leverkusen.

 

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